Lauter kleine Bühnen

"Lauter kleine Bühnen"

Schon seit langem war mein Traum, einmal ein Buch in Händen zu haben, an dessen entstehung ich mitgewirkt habe. Opinio heißt das Online Portal der Zeitschrift "Rheinische Post", Andrea Heinrich heißt die Innitiatorin aus den Reihen der diversen Autoren dieses Forums, die die Idee, einmal einige der Werke nicht nur virtuell, sondern in Buchform den Lesern zugänglich zu machen schließlich mit tatkräftiger Hilfe anderer Mitstreiter in die Tat umsetzte. Auch ich habe mich mit einer kleinen Geschichte an diesem Projekt beteiligen dürfen. Meinen Part möchte ich auch auf dieser Seite zum Besten geben. Wenn jemand neugierig geworden sein sollte:

Das Buch heißt: Lauter kleine Bühnen, erschienen bei BoD Norderstedt unter der ISBN: 9783833492136 und ist im Buchhandel für 12,80€ bestellbar.

Nun zu meiner Leseprobe:

Problem? (Nickname von Harald Krämer)

Werbeveranstaltung mal andersrum

Oder: Wie dumm sehe ich eigentlich aus?

Es war noch zu Zeiten der guten alten D-Mark, der Briefkasten quoll mal wieder über mit Werbung. Darunter auch diese allseits bekannten, höchst persönlichen Einladungen  zu diversen Werbeveranstaltungen in unmittelbarer Nähe, so auf die Art: "Kaffee und Kuchen, so viel Sie wollen, ein Werbegeschenk, und das Alles für nur fünf Mark!" Normalerweise landete so etwas auch damals schon recht schnell in der Mülltonne! diesmal hatte ich allerdings genau an dem angebotenen Datum so garnichts Vernünftiges geplant - also auf zum fröhlichen Kaffee trinken!

Der Saal war voll bis zum letzten Platz, schien ja beliebter zu sein, als ich dachte. Ich ergatterte noch einen Stuhl in der Nähe der Bühne, Kaffee und der versprochene Kuchen waren hübsch auf den Tischen verteilt, aber mehr, als ein Stückchen pro Gast schien nicht vorhanden zu sein. Soweit zu "Soviel Sie wollen".

Kaum, dass der letzte Mitmensch sich hingesetzt hatte, wurden die Türen geschlossen und die Schau begann. Als Erstes wurde die älteste Teilnehmerin geehrt, stolze 95 Lenze hatte die Dame auf dem Buckel! Sie erhielt unter großem Hallo seitens der Gästeschar einen Strauß Vergissmeinnicht aus den Händen des Moderators. Tolle Geste!

Dann gungs richtig los: Wir erhielten eine Lehrstunde über die Auswirkungen von "Erdstrahlen"!Der Verkäufer auf der Bühne wedelte mit einem Taschenbuch herum, aus welchem er wahrscheinlich seine Weisheiten hatte. "Auch Hochhäuser schützen nich vr Erdstrahlen." ; verkündigte er vollmundig, "denn auch im zehnten Stock kommt ja rebs vor!"

Was denn nun Krebs mit irgentwelchen micht messbaren und daher nur vermuteten Strahlen zu tun hätte, wollte ich wissen und wagte eine dementsprechende Zwischenfrage, was unseren moderator zu der Behauptung veranlasste, das Krebs und auch andere Krankheiten ja durch besagte Strahlen verursacht würden und damit die Existenz besagter Strahlen auch hinlänglich bewiesen wäre! Dieser Logik hatte ich nichts entgegen zu setzen.

Aber, oh Wunder der Technik: Er hatte ein Gegenmittel parat, exclusiv für die erlauchte Zuhörerschaft im Saal - "Wir sind die Auserwählten", durchzuckte mich der Blitz der Erleuchtung - und wie aus dem Nichts hielt er ein hauchdünnes Gespinst aus Kupferdraht in seinen Händen! Er beteiligte seine staunenden Zuschauer an der Schau und fragte in den Saal: "Na, wieviel Meter Kupferdraht passen wohl in ein Bettlaken?" "Ein Meter"; "Fünf Meter"; "Zehn Meter", tönte es aus dem Saal "Der junge Mann da vorne lächelt so. Na, wieviel Meter?"

Mit "junger Mann" meinte er mich, dabei hatte ich die Dreißig auch damals schon locker überschritten, aber bei dem hier vorherrschenden Alterniveau ließ ich Ihm das mal durchgehen. Zudem - ich lächelte nicht, ich grinste! "So ca. 2 bis 3 Kilometer sollten es schon sein," antwortete ich brav und erntete doch glatt Applaus.

Dann der Hammer: Das Bettlaken mit der Kupfermatte - knistert sowas nicht beim umdrehen? - kostete keine 500 sondern nur, bedeutsame Pause, sage und schreibe 499DM! Phantastisch!

"Der junge Mann lächelt schon wieder!" Nebenbei: Ich grinste! "Bei den Kupferpreisen kann man ja ab sofort getrost sein Dach mit Gold decken, das kommt dann billiger."

Er ignorierte meine Antwort. Dafür hatte er noch eine zweite Art Bettlaken, diesmal mit Magneten! Für nur sagenhafte 299DM! Und man konnte die beiden Varianten auch noch kombinieren! Applaus!

Was war das Hier? Satiere? Das konnte der nicht ernst meinen! "Tut das nicht weh, so ein Bettlaken mit Magneten und was soll der Blödsinn überhaupt, sich Fremdkörper unter den Körper zu legen, wenn man doch schlafen möchte, halten Sie die Anwesenden für Fakire?" Langsam wurde ich etwas ungehalten, zumal der Kaffeenachschub ins Stocken geraten war.

Ich erntete einen etwas bösen Blick, ich blickte zurück, auch etwas erbost, der Moderator ging zum letzten Punkt der Tagesordnung über. Ein Öl aus einhundert Kräutern! Nur 10 Mark! "Braucht man das Öl als Schlafmitel, um auf Ihren unbequemen Bettlaken überhaupt zur Ruhe zu kommen?" wollte ich wissen.

Ich wurde keines Blickes gewürdigt, der Alleinunterhalter verließ wortlos den Saal, die Veranstaltung war zu Ende, gekauft hat Niemand etwas. Komisch.

Am Tresen erwischte ich den Moderator dann doch noch: "Hat Spass gemacht!", sagte ich und reichte ihm zum Abschied meine Hand "Dann bis zum nächsten Mal."

Ich habe nie wieder eine Einladung bekommen. Warum eigentlich nicht?

 

   

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