"Buchausrisse"

Von Panama City nach Bogota:

... An jeder Urwaldhütte werden Menschen und Gepäck Ein- bzw. Ausgeladen. Es dauert also seine Zeit, bis wir Kurs auf das offene Meer nehmen. (Ist zwar nur eine Bucht, aber immerhin kann man kein Ufer mehr sehen!)
Nach ca. zwei Stunden Fahrt wird das Erste der zwei Benzinfässer leer. Einhundert Liter saufen die beiden 200 PS starken Motoren also pro Stunde. Loui ist der festen Überzeugung, wir schaffen es nicht bis nach Turbo, immerhin ist er 15 Monate zur See gefahren (Der Bundeswehr sei es gedankt!) Noch vertraue ich darauf, dass der Kapitän die Tour nicht zum Ersten Mal macht und weiß, was er tut!
Noch!
Eine Stunde später finden wir einen Havaristen. Bei dem Holztransporter hat der Motor den Geist aufgegeben. Da man in der Christlichen Seefahrt bei Notfällen wie diesem zu helfen hat, wird der Kahn in Schlepp genommen und in ruhigere Gewässer manövriert. Normalerweise würde das Schiffchen ja mit der Schraube gesteuert, aber die verweigert ja den Dienst! Also setzt sich der Kahn alle Naselang quer, was unsere immerhin 400 Pferdestärken denn doch vor arge Probleme stellt.
Ach so: Loui hat recht, ohne den Havaristen hätten wir den Trip nicht geschafft. Nachdem man endlich eine sichere Ankerstelle gefunden hat wird der Kapitän des Transporters samt dessen Spritvorräten an Bord genommen und die Fahrt geht zügig weiter. Ohne weitere Zwischenfälle geht es Richtung Ufer. Kaum ist Dieses in Sichtweite, wird die Mannschaft auf einmal hektisch: Wir müssen in aller Eile unsere Schwimmwesten anlegen! Scheint die ganze Fahrt über schon Vorschrift gewesen zu sein nur, dass die meisten Fahrgäste, inklusive mir, die Dinger lieber als Sitzpolster auf den Harten Bänken verwendet hatten. Nun kann man uns von Land aus sehen und die Besatzung besteht nachdrücklich auf Einhaltung der Sicherheitsvorschriften.
Wir fahren in die Mündung eines schlammigen Flusses ein und halten kurz darauf an einer Tankstelle, auch der „Erbeutete“ Treibstoff ist fast am Ende!
Der Frachtschiffkapitän und auch einige der normalen Passagiere verlassen uns, wir bleiben dummerweise sitzen. Im Vertrauen darauf, im Hafen unseren Einreisestempel und vielleicht sogar Bargeld zu ergattern. Nach wenigen Metern Weiterfahrt hat sich ein Lastkahn quer über die gesamte Fahrrinne gestellt, der muss erst mal zur Seite geschoben werden, das dauert etwas, aber dann sind wir am Tagesziel!
An Land erwartet uns das Chaos der Stadt, vorbei ist es mit der Beschaulichkeit des Ortes am Urwald! Schuhputzer stürmen auf uns ein – ich trage Stoffsandalen, was natürlich keinen der Männer davon abhält, auch mir seine Dienste anzubieten. Kofferträger, denen ich mehrfach meinen Rucksack entwinden muss und jede menge Händler, die recht lautstark ihre Ware anpreisen, aber leider keine Spur dieses ominösen „DAS“ Büros. Wir fragen uns durch und stiefeln schließlich durch die gesamte Stadt und die angrenzenden Slums, ein Steg aus Beton spannt sich über die Lagune, wir waten durch knöcheltiefen Schlamm und laufen an der Strandpromenade vorbei, um schlussendlich vor einer Kaserne zu stehen. Nachdem man einen Übersetzter aufgetrieben hat  werden wir auch tatsächlich zum Büro geleitet. Wie sich herausstellt gehört die Tankstelle von vor ein paar Stunden genau zu diesem Stützpunkt! Mit ein wenig mehr Informationen oder Kenntnissen in der Landessprache hätten wir uns den Fußmarsch ersparen können! Wir kriegen anstandslos eine Aufenthaltsgenehmigung über Dreißig Tage in Kolumbien (Soviel brauchen wir doch gar nicht!) und dürfen uns wieder auf den Fußweg in Richtung Stadt machen. Das ganze Procedere in der Kaserne der Anti-Drogen-Polizei hat, inklusive der strammen, militärischen Meldung des Übersetzers an den Stempelmenschen, nicht einmal 10 Minuten in Anspruch genommen.
Jetzt also ab in die Stadt, in den Wellblechhütten wird das Abendessen vorbereitet, innerhalb weniger Minuten geht die Sonne unter, so was wie Dämmerung dauert in diesen Breiten nicht lange! Wir müssen uns im Stockdunkeln durch die verwinkelten Gassen des Elendsquartiers tasten. Ein Königreich für eine Taschenlampe! In der Stadt funktioniert dann sogar die Straßenbeleuchtung!
Ein Hotel zu finden erweist sich als die leichteste Übung, nur mit der Bezahlung desselben hapert es ein bisschen: Man akzeptiert keine US Dollar und Traveller Schecks schon gar nicht!
Bei Loui macht sich der Stress der letzten Stunden bemerkbar: Die übrigen Gäste des „Hotel 2000“ stehen eingeschüchtert von seiner wütenden Stimme an die Wand gedrückt. Um einem Ernsthaften Streit vorzubeugen gehe ich halt noch mal auf die Straße und tausche auf einem Hinterhof bei einem völlig verdutzt dreinblickenden Mitmenschen US Dollar gegen Kolumbianische Peso. Danach sind, mal wieder, alle Probleme aus der Welt! Die anderen Gäste führen uns sogar noch in ein günstiges Restaurant und wir essen gemeinsam zu Abend. Nach der Mahlzeit nimmt man sich sogar noch die Zeit, uns die ortsansässigen Banken und Reisebüros zu zeigen. Die netten Menschen machen uns mit beredten Geesten klar, dass wir  ... 
buch.de - Einfach schnell

Durch den Salar und andere Wunder:

...Die Nacht findet wieder um sechs Uhr in der Frühe  ein jähes Ende, diesmal nicht durch einen nahen Kasernenhof, sondern durch die Sonne und die unzähligen Hähne des Ortes. Die beiden Fahrer reparieren einen Reifen, der Rest der Truppe frühstückt. Dann geht es weiter, zuerst durch ein kleines „Seitenmeer“ des Salar, vorbei an einem tätigen Vulkan (Raucht!), durch einen fossilen Korallengarten, um dann an der Laguna Canupa, einem von warmen Quellen gespeisten See voller Flamingos unser Mittagessen einzunehmen.

Der nächste Pass führt über 4700 Meter, versucht das mal in Europa! An einer Felsenklippe wartet schon eine Familie Viskachas, langschwänzigen, etwa kaninchengroßen Verwandten der Meerschweinchen, sehen aus, wie eine Mischung aus Hase und Känguru. Alle Touri Fahrzeuge halten an, um den Tierchen Ihre verdiente Ration Gemüse zu kredenzen, da kann man dann auch als nachtaktives Lebewesen seinen Schlaf kurz unterbrechen! Eine kleine Herde Huanacos, einer kleinen, wilden Lama Art, beobachtet uns aus der Ferne, noch trauen Sie sich nicht an das dargebotene Futter, man wartet lieber, bis die Autos weg und der Frieden wieder da ist!
Die nächste Felsformation ist aus einem Salvador Dali – Gemälde entsprungen, surrealistischer kann Erosion nicht sein! Manche der Felsen sehen aus, als könnte man Sie mit einer Hand umstoßen. Fehlen nur noch die zerlaufenden Taschenuhren und die Elefanten mit den ewig langen Beinen.
Weiter an verschiedenen farbigen Seen vorbei, über Plateaus aus Buntsandstein, durch eine Welt der Malerei, wobei die Natur den Pinsel schwingt!
Ziel des Tages ist die Colorado Laguna, die Farbige Lagune. Wieder ein See aus Salz, diesmal mit Wasserflächen von Blau bis Tiefrot. Gesprenkelt mit Flamingos! Die Salzschicht ist recht dünn und brüchig, der Weg (Zu Fuß) in die Mitte des Sees erweist sich als tückisch, immer wieder bricht die dünne Salzkruste und man versinkt bis zu den Knöcheln im stinkenden Schlamm, der Wind bläst unerbittlich, es ist Eiskalt. Was tut man nicht Alles für ein gutes Foto! Die Nacht verbringen wir in einer Art Jugendherberge am Ufer. Ich gewinne in der Lotterie und ergattere als einziger ein Einzelbett, ich bin begeistert – die Anderen weniger. Es gibt leider kein fließendes Wasser, wir müssen  ...

Im Dorf der Pornotempel:

...  Eine Stunde später kommt ein kleiner Junge und übergibt mir einen Zettel: „Harry / 3 Foreigners; Hi Guys, we are at Raja Cafe (Swiss Restaurant) we have a Jeep (600 Rupies) so come + join us, as we have to wait 15 – 30 Minutes. Please bring ouer Bags. Sorry, Sue + Manfred .
Also schleppen wir die beiden Rucksäcke zusätzlich zu unserem eigenen Gepäck quer durch den gesamten Ort, bloß, um dann festzustellen, dass sich der Preis für unsere Flucht aufgrund „Gefahrenzulage“ mittlerweile vervielfacht hat! Wir werden die Nacht in der „New Batan Lodge“ verbringen! Direkt unter unserem Schlafzimmerfenster findet in einem offenen Zelt ein Festival zu Ehren von Kali statt, jener aus diversen Fernsehproduktionen bekannten blutrünstigen Göttin! Netterweise verzichtet man auf die Menschenopfer. Gute Nacht erst mal.

Am nächsten Morgen versuchen wir unser Glück zum zweiten Mal. Die Lage hat sich inzwischen zumindest soweit entspannt, dass die Busse wieder verkehren. Leider hat sich das wie ein Lauffeuer im Ort herumgesprochen. Daher ist der Bus mal wieder, ...

Nach oben